Sonderklienteninfo zur Steuerreform 2015

 

 
 

Mag. Dr. Darmann

 

Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung GmbH

 

9400 Wolfsberg, Herrengasse 1

   

Sonderklienten-Info

 

Steuerreform 2015/2016

   

Für den Inhalt verantwortlich: Österreichische Gesellschaft für Wirtschaftstreuhänder

 
 

 
   

Ausgerechnet an einem Freitag, den 13. hat die Bundesregierung die Eckpfeiler der bereits seit vielen Monaten diskutierten Steuerreform 2015/2016 präsentiert. Am 17.3.2015 wurden dann die Grundzüge der Steuerreform im Ministerrat offiziell beschlossen. Von den geplanten Entlastungen von rd. € 5 Mrd. entfallen rd. € 4,9 Mrd. auf die Tarifreform und rd. € 0,1 Mrd. auf Begünstigungen für Familien. Ein Standortpaket, das mittelfristig ein Volumen von € 0,2 Mrd. umfassen wird, soll Konjunkturimpulse für die Wirtschaft bringen. Das Entlastungsvolumen soll durch Maßnahmen gegen den Steuerbetrug (rd. € 1,9 Mrd.), Einsparungen im Verwaltungsbereich  (rd. € 1,1 Mrd.), Streichung von Ausnahmen im Steuer­recht und Erhöhung vermögensbezogener Steuern (rd. € 1,2 Mrd.) und letztlich durch Ankurbelung der Wirtschaft finanziert werden.

 

Inkrafttreten wird die Tarifreform erst im Jahr 2016. Im Mai werden die ersten
Gesetzesentwürfe im Detail vorliegen.   

Das neue Tarifmodell  

Wie bereits erwähnt, ist das Kernstück der Steuerreform ein neues Tarifmodel mit nun­mehr sieben Steuerstufen statt bisher vier. Ein­kommen bis € 11.000 bleiben unverändert steuerfrei, 50 % Einkommensteuer zahlt man künftig erst ab einem steuerpflichtigem Ein­kommen von € 90.000 (bisher € 60.000). Ab einem Einkommen von € 1 Mio. soll der Steuersatz auf 55 % angehoben werden (diese Maßnahme soll aber auf 5 Jahre befristet sein).

               

Im Detail gestaltet sich der neue Tarif wie folgt:

                                                       

 

Tarifmodell NEU

 
 

Bisheriger Tarif

 
 

Stufe bis

 
 

Steuersatz

 
 

Stufe bis

 
 

Steuersatz

 
 

11.000

 
 

0%

 
 

11.000

 
 

0%

 
 

18.000

 
 

25%

 
 

25.000

 
 

36,50%

 
 

31.000

 
 

35%

 
 

60.000

 
 

43,21%

 
 

60.000

 
 

42%

 
 

darüber

 
 

50%

 
 

90.000

 
 

48%

 
   
 

1.000.000

 
 

50%

 
   
 

über 1 Mio

 
 

55%

 
   

   

Per Saldo soll sich eine durchschnittliche Entlastung von € 1.000 für jeden Steuerzahler ergeben.

   

Neben der Tarifreform sind noch folgende Ent­lastungen vorgesehen:

 

1. Erhöhung der Absetzbeträge für Arbeitnehmer von derzeit € 345 um € 55 auf € 400.

2. Erhöhung des Kinderabsetzbetrages von € 220 auf € 440 pro Kind. Wird der Kinder­absetzbetrag von beiden    Elternteilen in Anspruch genommen, beträgt er künftig € 264 pro Person.

3. Die Negativsteuer für Kleinverdiener, die gar keine Lohnsteuer zahlen, wird von bisher € 110 auf bis zu € 400 erhöht. Sie ist mit 50 % der Sozialversicherungsbeträge begrenzt (bisher 10 %).

4. GSVG-Pflichtige und Landwirte, die keine Einkommensteuer zahlen, sollen SV-Beiträge als Äquivalent für die Negativsteuer rückerstattet erhalten.

5. Für geringverdienende Pendler soll der Pendlerzuschlag erhöht werden.

6. Bei niedrigen Pensionen soll es künftig ebenfalls zu einer Gutschrift aus der
Negativsteuer von bis zu € 110 kommen können.

 

Beispiele:

 

Ein Alleinverdiener mit einem Kind kann
folgende jährliche Entlastung erwarten:

                                                                                       

 

Gehalt brutto

 

€ pm

 
 

Entlastung pa

 
 

1.000

 
 

290

 
 

1.500

 
 

914

 
 

2.000

 
 

956

 
 

2.500

 
 

1.030

 
 

3.000

 
 

1.377

 
 

3.500

 
 

1.587

 
 

4.000

 
 

1.646

 
 

4.500

 
 

1.706

 
 

5.000

 
 

1.475

 
 

5.500

 
 

1.548

 
 

6.000

 
 

1.670

 
 

6.500

 
 

1.790

 
 

7.000

 
 

1.910

 
 

7.500

 
 

2.030

 
 

8.000

 
 

2.150

 
 

8.500

 
 

2.253

 
 

9.000

 
 

2.253

 
 

9.500

 
 

2.253

 
 

10.000

 
 

2.253

 
 

140.000

 
 

- 40.913

 

   

Bei einem Alleinverdiener beträgt die jährliche Entlastung:

                                                                                     

 

Gehalt brutto

 

€ pm

 
 

Entlastung

 
 

1.000

 
 

290

 
 

1.500

 
 

485

 
 

2.000

 
 

882

 
 

2.500

 
 

956

 
 

3.000

 
 

1.318

 
 

3.500

 
 

1.497

 
 

4.000

 
 

1.557

 
 

4.500

 
 

1.616

 
 

5.000

 
 

1.385

 
 

5.500

 
 

1.458

 
 

6.000

 
 

1.569

 
 

6.500

 
 

1.689

 
 

7.000

 
 

1.809

 
 

7.500

 
 

1.929

 
 

8.000

 
 

2.049

 
 

8.500

 
 

2.143

 
 

9.000

 
 

2.143

 
 

9.500

 
 

2.143

 
 

10.000

 
 

2.143

 
 

140.000

 
 

- 40.913

 

 

Standortpaket

 

Zur Stärkung der Wirtschaft sind folgende Maßnahmen vorgesehen:

 

   

Gegenfinanzierung

 

Vermögensbezogene Steuern

 

Grunderwerbsteuer

 

Die Grunderwerbsteuer soll künftig auch bei Übertragungen im Familienverband (insbeson­dere bei Schenkung und Erbschaft) ebenfalls vom Verkehrswert berechnet werden (bisher dreifacher Einheitswert), wobei folgender
Stufentarif zur Anwendung kommen sollen:

                   

 

Verkehrswert €

 
 

Steuersatz

 
 

0 bis 250.000

 
 

0,5 %

 
 

250.001 bis 400.000

 
 

2,0 %

 
 

über 400.00

 
 

3,5 %

 

   

Beispiel:

 

Bei Schenkung eines Grundstückes an ein Kind mit einem Einheitswert von € 50.000 und einem Verkehrswert von € 500.000 erhöht sich die Grunderwerbsteuer von bisher € 3.000
(2 % von € 150.000 = dreifacher Einheitswert) auf € 7.750. Dies wird wie folgt berechnet:

 

0,5 % von         250.000 Euro     1.250 Euro

 

2,0 % von         150.000 Euro     3.000 Euro

 

3,5 % von         100.000 Euro     3.500 Euro

 

                        500.000 Euro    7.750 Euro

   

In Hinblick auf diese enorme künftige Steuerbe­lastung wird zu prüfen sein, ob man Liegen­schaftsübertragungen im Familienverband nicht doch vorziehen sollte, um noch in den Genuss der derzeitigen günstigeren Besteuerung zu kommen. Die Übertragungen sollten dann aber durch zB Vorbehalt des Fruchtgenuss- und/oder Wohnrechts sowie Belastungs- und Veräußerungsverbote abgesichert werden.

   

Für die Übertragung von Grundstücken bei Unternehmensweitergaben soll der bisherige Freibetrag von 365.000 Euro auf 900.000 Euro erhöht werden. Wie nicht anders zu erwarten war, soll für die unentgeltliche Übertragung bei  Land- und Forstwirten weiterhin der einfache Einheitswert gelten. Für Härtefalle ins-besondere im Tourismusbereich sollen noch gesonderte Lösungen erarbeitet werden. Inwieweit anlässlich der Schenkung/Erbschaft übernommene Verbindlichkeiten oder Belastungen bei der Berechnung der Grunderwerbsteuer zu berücksichtigen sind, ist ebenfalls noch unklar.

 

Erhöhung der Kapitalertragsteuer 

Die Kapitalertragsteuer soll von 25 % auf  27,5 % angehoben werden. Auch wenn in den zur Steuerreform veröffentlichten Papieren immer nur davon gesprochen wird, dass von dieser Erhöhung Dividenden erfasst sind, ist zu erwarten, dass die Erhöhung auch für Kapitalgewinne, Zuwendungen von Stiftungen uä gelten wird. Lediglich für Zinsen aus Sparbüchern und Girokonten soll eine Ausnahme kommen. 

Die Gesamtsteuerbelastung von ausge­schütteten Gewinnen aus einer Kapital­gesellschaft (nach Abzug der 25%igen Körperschaftsteuer) erhöht sich damit von derzeit 43,75 % auf 45,625 %.  

 

Erhöhung der Immobilienertragsteuer 

Die Immobilienertragsteuer, die bei Verkauf von Grundstücken anfällt, soll von 25 % auf
30 %
erhöht werden. Die in den Reformpapieren erwähnte Verbreiterung der Bemessungsgrundlage soll sich auf Abschaffung des Inflationsabschlages beziehen, der derzeit bei Verkauf von Neuvermögen, ab dem 11. Besitzjahr mit 2 % pa (maximal 50 %) angesetzt werden kann.

   

Sonstige Massnahmen

 

 

Betrugsbekämpfung

 

Als Maßnahme zur Betrugsbekämpfung ist einerseits die Einführung einer Registrierkassenpflicht (ab einem Nettoumsatz von  € 15.000) verbunden mit einer Beleg-erteilungspflicht geplant. Weiters soll das Bankgeheimnis für Unternehmen entfallen. Betriebsprüfer sollen dann bestehende Kontenverbindungen über ein zentrales Bankkontenregister abfragen können. Im Baubereich soll zwischen Unternehmern ein Barzahlungsverbot eingeführt werden.